Donnerstag, 28. April 2022

Kruger I

Der Tag stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Ähnlich ekelhaft wie das Hotel war auch das Frühstück. Das Omelette, der Kaffee und der Orangensaft haben jeweils köstlich geschmeckt. Wie soll man denn da gut in den Tag starten? Aber gut.. den ganzen Tag im Bett bleiben bringt ja auch nichts. Also haben wir uns relativ früh (für unsere Verhältnisse) auf den Weg in den Kruger Nationalpark gemacht. Dort hatten wir schon den nächsten Schockmoment. Alkohol ist nicht erlaubt. Selbst wenn man ihn nur transportiert. Alle fünf waren kreidebleich. Mehrere Flaschen Sekt und Wein, Bier und eine noch relativ volle Flasche MacCallan 12 Whisky. Bei der Kontrolle des Kofferraums konnte unser Veteran André jedoch fast alles an Alkohol retten. Mit einer seiner benutzten Schlüpfer, die er im Kofferraum verstaut hatte, verführte er den Parkranger derartig, dass dieser nurnoch Augen für André und seine Unterhose hatte. Aber sind wir mal ehrlich:  Bei dem Anblick würde es uns allen ja nicht viel anders ergehen. 

Generell hat sich André heute mit einer starken Leistung hervorgetan und seine komplette Erfahrung ausgespielt. Er rettete nicht nur unserer Getränke, sondern erwies sich auch im Park als potenter Elefantentracker. Nachdem wir die ersten zwei Stunden nur Antilopen, Gazellen, Zebras, Wasserbüffel und Giraffen gesehen hatten bewies André den richtigen Riecher und führte und über einen Schotterweg zu einem Wasserloch, an dem wir eine Elefantenherde beobachten konnten. Auch Nilpferde und ein Krokodil gab es zu bewundern. Ein wahrlich unglaublicher und dementsprechend auch unbefriedigender Anblick. Passend zu unserem miserablen Tag halt. Danach wurde es allerdings noch schlimmer. Nachdem wir uns entschlossen hatten den Heimweg anzutreten überschlugen sich die Ereignisse. Zwei Löwenmännchen und zwei Weibchen direkt an der Straße, eine weitere Elefantenherde direkt an der Straße, weitere Giraffen, Gnus, Zebraherden und sogar mehrere Nashörner. Wir hatten den Eindruck, dass der Park uns nicht gehen lassen wollte. Ihr könnt euch sicher vorstellen wie belastend diese ganzen Erfahrungen für uns waren. Mitleid wollen wir allerdings nicht. Wir haben uns den Mist ja selbst eingebrockt. Jetzt gerade befinden wir uns auf dem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, an der wir den Abend wahrscheinlich wieder bei dem einen oder anderen Getränk und köstlichem Abendbrot ausklingen lassen müssen. Aber gut, wie soll man diese spartanischen Lodges auch sonst ertragen. Hoffentlich wird morgen besser. Viel erwarte ich aber nicht. Immerhin müssen wir nochmal in den Kruger Nationalpark zur Safari. 


Prost!


PS: Natürlich muss auch unsere Netti positiv erwähnt werden. Immerhin hat sie diese langweilige Route rausgesucht. 

Von diesen beiden Überfliegern abgesehen waren alle nicht gerade schlecht unterwegs. Robert ist super gefahren, Anna hat Elefanten gesehen und ich..? ich sah wie immer gut aus.


Nachtrag: Wir hatten leider bis jetzt kein Internet in unserer Lodge, da sie relativ abgelegen liegt. Daher erst jetzt der Eintrag für Mittwoch. Mittlerweile können wir auch bestätigen, dass die Unterkunft noch furchtbarer ist als die letzte. Furchtbar. Einfach nur furchtbar.




















Dienstag, 26. April 2022

Blyde River Canyon - Hazyview

Heute stand tatsächlich nicht ganz so viel auf dem Plan, da wir das Hotel wechseln mussten und wir somit eine längere Fahrt vor uns hatten. Ereignislos war der Tag aber trotzdem nicht.

Gleich zu Beginn des Tages gab es die ersten positiven Neuigkeiten: Alle Kadermitglieder waren mit ihrer Frühstücksauswahl zufrieden und der Bundestrainer ist noch im Amt. Ich bin allerdings nicht naiv und weiß, dass der nächste Putschversuch nur eine Frage der Zeit ist. Und das, obwohl die Leistungen, die die Reisenationalmannschaft abruft absolut erste Sahne sind. Nur der Erfolg reicht eben nicht. 


Von unserer Lodge aus machten wir uns auf den Weg zu einem nicht weit entfernten Wasserfall in den Drakensbergen. Trotz einer eher kurzen Wanderung machten sich Konditionsdefizite bei einigen Reisemitgliedern breit. Mit Aussagen wie „Naja ich habe ja auch seit Covid keinen Sport mehr gemacht“ wurde versucht, die eigene Leistungsschwäche zu erklären. Wir wollen das mal nicht an die große Glocke hängen.. manchmal hat man auch einfach einen schlechten Tag. Ich werde das aber natürlich im Auge behalten und bei weiteren Leistungsabfällen mit Alkoholverbot entgegenwirken. Zurück zur Wanderung. Diese endete an einem Wasserfall, an dem man eine schöne Badeeinheit einlegen konnte. Das haben wir natürlich auch ausgiebig getan. Keine Sorge, dem Robert haben wir natürlich die Schwimmflügel angezogen. Danach folgte eine längere Fahrt in unsere nächste Unterkunft westlich des Kruger Nationalparks. 


In Hazyview gab es dann noch einen kleinen Einkaufsstop. Dabei haben wir als Reisegruppe meiner Meinung nach die beste Aufteilung gefunden. Die Herren der Schöpfung kümmern sich um das Bier während die Damen die Verantwortung für alles andere übernehmen dürfen. Der Inbegriff von Emanzipation also. 

Viel mehr ist nicht mehr passiert. Wir haben in der Nähe unserer Unterkunft Abendbrot gegessen und gemeinsam mal wieder das eine oder andere Getränk zu uns genommen. Bei den Temperaturen soll man ja viel trinken.

Achso, doch. Eine Sache gibt es noch: Unser Hotel ist absolut ekelhaft. Eine absolute Absteige. Wir sind froh morgen hier wieder weg zu kommen. Wir werden vor Ekel wohl heute Nacht kein Auge zu bekommen. Noch schlimmer ist aber, dass die nächste Unterkunft noch erbärmlicher sein soll.. da gibt es dann für drei Nächte Getränke inklusive. Welch ein Alptraum. Bei dem Gedanken wird mir schon schlecht. So ein schönes alkoholfreies Radler. Das vermisse ich.


Prost und liebe Grüße


Eure Reisenationalmannschaft 






Hier die Absteige, in der ich heute schlafen muss. Ich bin ein Star, holt mich hier raus!













Blyde River Canyon

 Unser erster Morgen am Fuße der Drakensberge begann für einige Reisenationalmannschaftsmitglieder mit einem Schock. Das Frühstück, welches sich jeder am Vorabend aussuchen musste erschien weniger üppig als gedacht. Panik und Neid machten sich breit, denn nicht alle hatten nur halbvolle Teller vor sich stehen. Der Bundestrainer hatte ordentlich vorgesorgt und hatte volle Teller. Wie das immer so ist, wurde dann sofort der Chef für die ungerechte Verteilung verantwortlich gemacht. Ohne vorher vielleicht mal drüber nachzudenken, dass man vielleicht auch selbst für deine Fehler verantwortlich sein könnte, wurde auf dem armen Ludwig rumgehackt. In solchen Momenten wird einem als Trainer immer wieder bewusst, dass man am Ende auch nur eine arme Sau ist, die als Spielball für Schuldzuweisungen genutzt wird. Jogi Löw ging es damals ähnlich.. da spricht man ein bisschen komisch und kratzt sich sich mal ab und zu am Sack und schon ist man auf dem Abstellgleis. 


Umso frustrierender, dass die ganze Aufregung umsonst war. Es war am Ende doch genug da um alle satt zu bekommen und der Bundestrainer musste sich sogar eingestehen, dass er sich ein bisschen überschätzt hat und zu viel bestellt hatte. Und das ist ja eigentlich garnicht meine Art. Glänze ich doch sonst meist mit Zurückhaltung und chronischer Selbstunterschätzung. 


Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Drakensberge, einer Tafelbergs und Gebirgsregion, die sich über weite Teile Südafrikas erstreckt. An mehreren Aussichtspunkten haben wir bei bestem Wetter die Aussicht genossen. Auf den Bildern wird deutlich, wie viel eine tolle Landschaft ausmachen kann. Vor dem Hintergrund sehen sogar Robert, André und ich gut aus. 


Da es hier Punkt 18 Uhr dunkel wird und wir trotzdem nicht dafür bekannt sind früh aufstehen zu wollen, sind die Tage recht kurz. Viel mehr ist dementsprechend auch nicht mehr passiert. André hatte für Abends noch ein Arschbombenwettbewerb im Pool angesetzt, den wir leider wegen fehlender Pooltiefe absagen mussten. Auch ist festzustellen, dass unterschiedliche Tiere auf unterschiedliche Sachen stehen. Unsere nackten, adonisähnlichen Körper haben nämlich Zebras angelockt. Antilopen stehen auf kitschige Liebesgeschichten, Zebras auf nackte Haut.. Nur das mit dem guten Humor und den Nilpferden hat nicht so ganz geklappt. Vielleicht liegt das aber auch einfach an der Sprachbarriere. Logischerweise sprechen südafrikanische Nilpferde ja nur englisch. Das werden wir heute gleich  mal ausprobieren. 

Auch ohne Nilpferde haben die Gin Tonics aber bestens geschmeckt.


Prost und bis bald!




















Sonntag, 24. April 2022

Johannesburg - Hoedspruit (Blyde River Canyon Lodge)


Heute Morgen bin ich leicht traurig aufgewacht.. hatte ich doch gehofft, dass ich in diesem Urlaub jeden Morgen von André oder Robert wachgekuschelt werde. Stattdessen wurde ich heute 7.35 Uhr von Annas Wecker aus dem Schlaf gerissen. Alleine in meinem Bett liegend habe ich mir natürlich sofort Notizen gemacht.. wenn die Jungs so weiter machen, dann ist der Kader bei der nächsten Reise um zwei Plätze kleiner..


Leicht deprimiert habe ich mich dann doch  aus dem Bett geschält. Immerhin war für heute ja eine Whiskyverkostung angesetzt. Noch besser: Ich hatte mich schon gestern für die komplette Reise als Fahrer disqualifiziert. Pro Auto durften nur jeweils zwei Personen als Fahrer eingetragen werden und da ich schon die Verantwortung trage, muss ich die kommenden Wochen nicht fahren. Was sich für so eine Verkostung natürlich äußerst gut macht. Wir sind natürlich keine Anfänger. Wer ordentlich saufen will, der muss sich auch ordentlich vorbereiten. Das haben ja schon die alten Römer gesagt. Deswegen haben wir heute morgen ausgiebig gefrühstück und die Leber schonmal mental auf anstehende Aufgaben vorbereitet. Ich rede meinem Lieblingsorgan vor solchen Unterfangen gerne mal vor dem Spiegel gut zu. Zu Top Leistungen aufgelegt erreichten wir gegen 13 Uhr Dullstroom, zuhause der größten Whiskyauswahl der südlichen Hemisphäre. Sechs köstliche Getränke später können wir festhalten: Die Ärzte hatten recht. Männer wollen alle nur das eine. Allerdings lagen sie bei dem „Was“ deutlich daneben. 

Natürlich muss ich auch etwas diplomatisch sein. Immerhin haben die Mädels nach unserem flüssigen Mittagessen das fahren übernommen. Ganz ohne Frauen und nur mit Whisky geht es also auch nicht. Ein gesunder Mittelweg erscheint mir da die bestmögliche Konsequenz. Wo der Mittelweg genau verläuft ist eine Frage für einen anderen Tag. 

Während der erste Teil der Fahrt noch relativ unspektakuläre Landschaft bereithielt war der zweite Abschnitt dafür umso besser. Auf einer Straße, auf der genügend Schlaglöcher waren um einen Schweizer Käse alt aussehen zu lassen schlängelte sich unsere Route durch eine Berglandschaft gespickt mit Tafelbergen und schönen Tälern. Als wäre das alles nicht schon genug gewesen, konnten wir uns auch über unsere ersten Tiersichtungen freuen. Neben einer nicht lebendigen Giraffe und einem ebenso starren Nashorn konnten wir auch noch ein paar Affen sichten, die sich tatsächlich auch bewegt haben. Und bevor gleich wieder blöde Kommentare kommen: nein, damit sind nicht André, Robert und ich gemeint. Obwohl die Rückenbehaarung schon auf einen gewisse genetische Verbindung schließen lässt. 


Natürlich wieder perfekt geplant und umgesetzt erreichten wir pünktlich mit Einbruch der Dunkelheit unsere Lodge für die nächsten zwei Nächte. Auf einem Reservoir am Rande der Tafelberge gelegen haben wir bei leckerem Abendbrot und dem einen oder anderen Getränk dann den Abend ausklingen lassen. Die besprochenen Themen waren anscheinend nicht nur für uns interessant. Auch zwei Antilopen fanden Netti‘s und André‘s Kennenlerngeschichte so toll, dass sie sich zu uns gesellt haben. Die Nilpferde fanden die Story aber anscheinend nicht so spannend. Vielleicht stehen die ja einfach nicht auf Schnulze, sondern eher auf guten Humor.. Deswegen leite ich morgen das Gespräch. 


So, Ludwig müde.


Gute Nacht, schlaft gut und träumt was schönes!