Dienstag, 26. April 2022

Blyde River Canyon

 Unser erster Morgen am Fuße der Drakensberge begann für einige Reisenationalmannschaftsmitglieder mit einem Schock. Das Frühstück, welches sich jeder am Vorabend aussuchen musste erschien weniger üppig als gedacht. Panik und Neid machten sich breit, denn nicht alle hatten nur halbvolle Teller vor sich stehen. Der Bundestrainer hatte ordentlich vorgesorgt und hatte volle Teller. Wie das immer so ist, wurde dann sofort der Chef für die ungerechte Verteilung verantwortlich gemacht. Ohne vorher vielleicht mal drüber nachzudenken, dass man vielleicht auch selbst für deine Fehler verantwortlich sein könnte, wurde auf dem armen Ludwig rumgehackt. In solchen Momenten wird einem als Trainer immer wieder bewusst, dass man am Ende auch nur eine arme Sau ist, die als Spielball für Schuldzuweisungen genutzt wird. Jogi Löw ging es damals ähnlich.. da spricht man ein bisschen komisch und kratzt sich sich mal ab und zu am Sack und schon ist man auf dem Abstellgleis. 


Umso frustrierender, dass die ganze Aufregung umsonst war. Es war am Ende doch genug da um alle satt zu bekommen und der Bundestrainer musste sich sogar eingestehen, dass er sich ein bisschen überschätzt hat und zu viel bestellt hatte. Und das ist ja eigentlich garnicht meine Art. Glänze ich doch sonst meist mit Zurückhaltung und chronischer Selbstunterschätzung. 


Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Drakensberge, einer Tafelbergs und Gebirgsregion, die sich über weite Teile Südafrikas erstreckt. An mehreren Aussichtspunkten haben wir bei bestem Wetter die Aussicht genossen. Auf den Bildern wird deutlich, wie viel eine tolle Landschaft ausmachen kann. Vor dem Hintergrund sehen sogar Robert, André und ich gut aus. 


Da es hier Punkt 18 Uhr dunkel wird und wir trotzdem nicht dafür bekannt sind früh aufstehen zu wollen, sind die Tage recht kurz. Viel mehr ist dementsprechend auch nicht mehr passiert. André hatte für Abends noch ein Arschbombenwettbewerb im Pool angesetzt, den wir leider wegen fehlender Pooltiefe absagen mussten. Auch ist festzustellen, dass unterschiedliche Tiere auf unterschiedliche Sachen stehen. Unsere nackten, adonisähnlichen Körper haben nämlich Zebras angelockt. Antilopen stehen auf kitschige Liebesgeschichten, Zebras auf nackte Haut.. Nur das mit dem guten Humor und den Nilpferden hat nicht so ganz geklappt. Vielleicht liegt das aber auch einfach an der Sprachbarriere. Logischerweise sprechen südafrikanische Nilpferde ja nur englisch. Das werden wir heute gleich  mal ausprobieren. 

Auch ohne Nilpferde haben die Gin Tonics aber bestens geschmeckt.


Prost und bis bald!




















Sonntag, 24. April 2022

Johannesburg - Hoedspruit (Blyde River Canyon Lodge)


Heute Morgen bin ich leicht traurig aufgewacht.. hatte ich doch gehofft, dass ich in diesem Urlaub jeden Morgen von André oder Robert wachgekuschelt werde. Stattdessen wurde ich heute 7.35 Uhr von Annas Wecker aus dem Schlaf gerissen. Alleine in meinem Bett liegend habe ich mir natürlich sofort Notizen gemacht.. wenn die Jungs so weiter machen, dann ist der Kader bei der nächsten Reise um zwei Plätze kleiner..


Leicht deprimiert habe ich mich dann doch  aus dem Bett geschält. Immerhin war für heute ja eine Whiskyverkostung angesetzt. Noch besser: Ich hatte mich schon gestern für die komplette Reise als Fahrer disqualifiziert. Pro Auto durften nur jeweils zwei Personen als Fahrer eingetragen werden und da ich schon die Verantwortung trage, muss ich die kommenden Wochen nicht fahren. Was sich für so eine Verkostung natürlich äußerst gut macht. Wir sind natürlich keine Anfänger. Wer ordentlich saufen will, der muss sich auch ordentlich vorbereiten. Das haben ja schon die alten Römer gesagt. Deswegen haben wir heute morgen ausgiebig gefrühstück und die Leber schonmal mental auf anstehende Aufgaben vorbereitet. Ich rede meinem Lieblingsorgan vor solchen Unterfangen gerne mal vor dem Spiegel gut zu. Zu Top Leistungen aufgelegt erreichten wir gegen 13 Uhr Dullstroom, zuhause der größten Whiskyauswahl der südlichen Hemisphäre. Sechs köstliche Getränke später können wir festhalten: Die Ärzte hatten recht. Männer wollen alle nur das eine. Allerdings lagen sie bei dem „Was“ deutlich daneben. 

Natürlich muss ich auch etwas diplomatisch sein. Immerhin haben die Mädels nach unserem flüssigen Mittagessen das fahren übernommen. Ganz ohne Frauen und nur mit Whisky geht es also auch nicht. Ein gesunder Mittelweg erscheint mir da die bestmögliche Konsequenz. Wo der Mittelweg genau verläuft ist eine Frage für einen anderen Tag. 

Während der erste Teil der Fahrt noch relativ unspektakuläre Landschaft bereithielt war der zweite Abschnitt dafür umso besser. Auf einer Straße, auf der genügend Schlaglöcher waren um einen Schweizer Käse alt aussehen zu lassen schlängelte sich unsere Route durch eine Berglandschaft gespickt mit Tafelbergen und schönen Tälern. Als wäre das alles nicht schon genug gewesen, konnten wir uns auch über unsere ersten Tiersichtungen freuen. Neben einer nicht lebendigen Giraffe und einem ebenso starren Nashorn konnten wir auch noch ein paar Affen sichten, die sich tatsächlich auch bewegt haben. Und bevor gleich wieder blöde Kommentare kommen: nein, damit sind nicht André, Robert und ich gemeint. Obwohl die Rückenbehaarung schon auf einen gewisse genetische Verbindung schließen lässt. 


Natürlich wieder perfekt geplant und umgesetzt erreichten wir pünktlich mit Einbruch der Dunkelheit unsere Lodge für die nächsten zwei Nächte. Auf einem Reservoir am Rande der Tafelberge gelegen haben wir bei leckerem Abendbrot und dem einen oder anderen Getränk dann den Abend ausklingen lassen. Die besprochenen Themen waren anscheinend nicht nur für uns interessant. Auch zwei Antilopen fanden Netti‘s und André‘s Kennenlerngeschichte so toll, dass sie sich zu uns gesellt haben. Die Nilpferde fanden die Story aber anscheinend nicht so spannend. Vielleicht stehen die ja einfach nicht auf Schnulze, sondern eher auf guten Humor.. Deswegen leite ich morgen das Gespräch. 


So, Ludwig müde.


Gute Nacht, schlaft gut und träumt was schönes!















Samstag, 23. April 2022

Frankfurt - Dubai - Johannesburg

Wir haben es endlich geschafft. Wenn ihr treuen Fans diesen Blogeintrag lest, dann sitzen mit allergrößter Wahrscheinlichkeit schon bei dem dritten Getränk in unserer ersten Unterkunft. Gegessen haben wir auch schon fürstlich.

Und dass kann ich schonmal vorweg nehmen: Das haben wir uns auch redlich verdient.


Alles in allem waren es dann gute 28 Stunden Reisezeit. Da kann man auch schonmal ein bisschen Knülle sein. Besonders wenn zu den körperlichen Strapazen auch noch psychische Belastungen hinzukommen. In chronologischer Reihenfolge: In Frankfurt angekommen entschied sich unser lieber Robert dazu, mal ein bisschen Action in den ganzen Ausflug reinzubringen. Ihm war das wohl alles zu perfekt durchgeplant. Immerhin hatte unsere liebe Anni zwischen Zugankunft und Abflug einen Sicherheitspuffer eingebaut. Sowas ist für Robert natürlich ein absolutes No-Go. Sich auf dem Flughafen einfach ganz entspannt noch zwei Bier rein zu laden und dann leicht beschwipst in den Flieger zu steigen wäre zu einfach. Stattdessen hat sich Robert lieber einen vollkommen überteuerten PCR Covid Test geleistet. Unsere Taktik, dass ja nichts passieren kann weil wir nicht mehr testen müssen geriet also in Gefahr. Ehrlicherweise muss man dazu sagen, dass Robert die Entscheidung pro Test nicht komplett freiwillig getroffen hat (Obwohl ich schon glaube, dass er da auch bisschen Lust drauf hatte). Das leicht überforderte Bodenpersonal hatte entschieden, dass Roberts Impfstatus nicht für eine Testbefreiung ausreicht. Trotz lupenreiner Argumentation unserer Seite wollte sich die gute Dame nicht vom Holzweg abbringen lassen. Neben einer nicht ganz unsubstanziellen monetären Summe kostete die Wartezeit und Ungewissheit über das Ergebnis des Tests einige Reisemitglieder einiges an Nerven. Meiner Einschätzung nach war am ehesten Anna bereit dazu, Robert bei einem potenziellen positiven Testergebnis in Frankfurt zurück zu lassen. Alle anderen hatten damit moralisch schon mehr zu kämpfen. Eine große Wahl hätten wir aber sowieso nicht gehabt - unsere Gepäckstücke waren nämlich schon unterwegs.


Lange Rede, kurzer Sinn: Testergebnis war negativ, wir mussten alle nüchtern ins Flugzeug und hoch lebe der Kapitalismus und freie Preisgestaltung.


Im Flugzeug schien unsere Geduld zuerst belohnt zu werden, nur um dann gleich wieder getestet zu werden. Wir fanden ein nur halb volles Flugzeug vor. Die beiden Pärchen hatten jeweils eine Reihe für sich (Keine Sorge, ich habe drauf geachtet, dass unter den Decken keine schweinischen Fummeleien von statten gehen) und der Bundestrainer hatte sogar eine ganze Vier-Sitz Reihe für sich alleine. Da konnte man sich tatsächlich ganz gut lang machen. Die Freude hielt aber nicht lange an, denn der Getränkeservice ließ mehr als nur zu wünschen übrig. Über eine Stunde mussten wir armen, ausgelaugten Reisenden auf Flüssignahrung warten. 


Ansonsten ist das meiste glatt gelaufen. Robert hat Anna noch einen Orangensaft in den Schoß gekippt und André fragt die ganze Zeit wo denn nun die Elefanten seien.. Außerdem haben wir festgestellt, dass Giraffen blaue Zungen haben weil sie gerne Schlumpfeneis essen. Wir sind also bestens informiert. 


Die Einreise und Autoanmietung hat leider auch nochmal ein bisschen Zeit gekostet. Das WLAN im Auto funktioniert nicht. Dadurch hat sich die Anfahrt zu der ersten Unterkunft als etwas stressig und undurchsichtig erwiesen. Wir haben es allerdings nach kurzer Orientierungsphase doch noch ins Hotel geschafft. Die Kaderzusammensetzung hat sich also schon bezahlt gemacht. Mit den Jungs und Mädels kann man auch brenzlige Situationen lösen! 


Noch kurz ein paar allgemeine, organisatorische Dinge: Ich habe leider noch keine Möglichkeit gefunden Fotos hochzuladen. Auch das veröffentlichen von Kommentaren fällt mir schwer. Ich weiß natürlich, dass das vollkommen inakzeptabel ist und gelobe Besserung. Habe ja jetzt erstmal zwei Wochen Zeit um das herauszufinden. 

Noch dazu werde ich die Blogeinträge immer schon mal über den Tag hin schreiben und dann nach und nach im Laufe des Tages noch ergänzen. Es wird also immermal unter den Blogeinträgen kurze Nachträge geben, wo späte Informationen vermittelt werden. 


Nachtrag: Mir ist zu Ohren gekommen, dass die organisatorischen Leistungen und Fähigkeiten meiner herzallerliebsten Schwester in meinem ersten Blogeintrag etwas zu kurz gekommen sind. Dies möchte ich hier nochmal gerade rücken. Die beiden Mädels haben sich fair in die Planungsaufgaben reingeteilt. Anni hat einen bombastischen Job gemacht und wird die kommenden zwei Wochen noch ordentlich gehuldigt!


Weiterer Nachtrag: Ich muss leider verkünden, dass auch der Bundestrainer nicht fehlerfrei ist.. Es steht noch nicht ganz fest wie es passieren konnte, aber ich habe an unserem Mietwagen gleich mal die Alarmanlge angeschmissen und der lokalen Bevölkerung unsere Ankunft verkündet. Zwischen Perfekt und fast Perfekt gibt es halt schon noch eine kleine Marge. 

(Dieses Absatz habe ich nicht freiwillig verfasst. Ich wurde gezwungen über meine Fehler so öffentlich zu berichten. Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich mich als Author aus der ganzen Sache mit der Kritik raushalten kann. Von dem Gedanken muss ich mich wohl verabschieden.)


Prost!








Freitag, 22. April 2022

Leipzig - Frankfurt

 Gut aussehend, gut gelaunt und bestens vorbereitet trafen wir uns am heutigen Freitag pünktlich 14.30 Uhr am Leipziger Hauptbahnhof. Unser Veteran hat sich mit seiner Hutauswahl allerdings schon den ersten Fauxpass geleistet unf somit begrenzt sich das gute Aussehen auf ausgewählte Reisegruppenmitglieder. Keine Sorge: wir haben ihn schon zu genüge für seine modische Entgleisung gerügt. 

Soeben befinden wir uns auf dem Weg nach Frankfurt. Die Kehle wurde schon leicht angefeuchtet und genügend Gesprächsstoff haben wir auch noch. Lediglich die männliche Kaderriege hat sich bei der Trinkschnelligkeit etwas übernommen und sitzt seit einer Stunde auf dem Trockenen.. am Ende vielleicht aber garnicht so schlecht, denn im Flugzeug wollen wir ja schließlich auch noch Durst haben. So weit so gut also..


Planmäßig geht es für uns heute Abend 22.20 Uhr von FfM nach Dubai und von da aus dann weiter nach Johannesburg. Läuft alles wie gewollt, dann sind wir morgen 16.15 in Südafrika.


Die Sitzplätze für den Flug nach Dubai sind auch schon ausgelost. Ich darf zwischen Anna und André sitzen.. da freue ich mich drauf. Da wird schön gekuschelt.



PS: Für Andrés Hut haben wir doch noch eine gute Verwendung gefunden. Zur Lagerung von leeren Bier und Sektflaschen ist der Hut super geeignet! Zitronen und Lemonade halt.













Donnerstag, 21. April 2022

Spieleranalyse Reisenationalmannschaft

 Lange war es ruhig um diesen Kanal, der seit Jahren in Literatur und Journalismus neue Maßstäbe setzt.. und wer sich jetzt schon auf neue Abenteuer der drei Heinrichs gefreut hat, den muss ich leider enttäuschen. Die beiden Abenteurer Robert und Hagen wurden leider für die kommende Reise nicht nominiert. Wie das Fußballgeschäft ist auch das Reisegeschäft da extrem brutal. Loyalität gibt es nicht und wenn man nicht aufpasst, dann wird man eiskalt abgesägt. Als Veteranen kennen die beiden die harte, unehrliche Realität des Geschäfts aber natürlich nur zu gut und haben ihre Degradierung mit sehr viel Würde entgegengenommen. Nur der Vollständigkeit halber: Durch ihre professionelle Reaktion haben die beiden sich aber in bestmögliche Lage gebracht, um für die nächste Reise wieder berücksichtigt zu werden. Es können eben immer nur 11 Personen auf dem Feld stehen und als Reisebundestrainer habe ich da die Qual der Wahl. Für manche Reisen braucht man Erfahrung, für manche jugendlichen Leichtsinn und für manche eben eine ganz gezielte Kombination aus beiden. Hinten ein Abwehrbollwerk zu haben reicht im modernen Reisen halt nicht mehr. Da braucht man auch ein paar gute Sechser und Qualität auf den Flügeln.


Für die kommende Reise habe ich als Bundestrainer deswegen einen ganz besonderen Kader zusammengestellt. Eine Truppe gespickt mit Talenten internationaler Klasse, von der ich Großes erwarte. Wie im Fußball ist es auch bei der Reisenationalmannschaft unabdinglich, dass die Fans das Team kennenlernen. Wie soll sich sonst eine gesamte Nation hinter einer Mannschaft vereinen und diese zu Höchstleistung tragen? Da das Team jedoch fast vollständig aus relativ unbekannten, neuen Talenten besteht folgt nun eine kleine Teamanalyse:


Beginnen wir mit den beiden Stars des Kaders. Mit 27. und 29. Jahren bilden unsere beiden weiblichen Teammitglieder Anna und Netti das Rückgrat und das Gehirn des Kaders. Sie bringen trotz ihres noch jungen Alters schon enorme Reiseerfahrung mit und sind mit allen Wassern gewaschen. Schon auf fast allen Kontinenten aktiv gewesen, besitzen beide vielseitige Fähigkeiten die für die kommenden Wochen unabdingbar sind. Von Linksverkehr und Reiseplanung über Fotografie und potenzielle Verletzungsbetreuung bis hin zu unvergleichbarem Fachwissen zum Reiseziel. Die beiden können einfach alles! Ohne sie wäre die Mannschaft ein kopfloses Huhn. Sie übernehmen allerdings nicht nur die Führung auf dem Feld, sondern sind auch abseits des Platzes extrem aktiv in organisatorischen Angelegenheiten. Das beschriebene Huhn wäre ohne die beiden Damen also nicht nur kopflos, sondern würde noch dazu auf dem falschen Platz Ziel- und Planlos herumeiern. Um komplett ehrlich zu sein wäre das Huhn ohne unsere beiden Mädels wahrscheinlich nichtmal auf irgendeinem Platz, sondern noch beim Frühschoppen. Kurzum: Ohne die Mädels gäbe es die Reisenationalmannschaft und die kommende Reise in dieser Form nicht. Besonders Hervorzuheben ist hierbei unsere liebste Netti, die einen großen Teil der Last getragen hat. 

Aufgrund ihrer großen Fähigkeiten wiegt natürlich aber auch ein großer Druck auf unseren Lenkern und Denkern. Sie werden in den zwei Wochen Wege finden müssen um den Rest des Kaders auf dem Platz unter Kontrolle zu bringen. Dies wird mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen und wird beide vor große Herausforderungen stellen.


Stärken:

-Organisation

-Erfahrung

-gutes Aussehen

-Niveau

-Alles


Schwächen:

-Die jeweiligen Partner


Kommen wir nun zum Rest des Kaders. Sozusagen zu den kopflosen Hühnern. Hier ist mir die Analyse etwas schwerer gefallen. Natürlich bringt jeder seine ganz eigenen Qualitäten mit, allerdings sind diese deutlich rarer und teils noch recht roh. Im Fußball- und Reisefachjargon spricht man hierbei von Rohdiamanten. Es wird auch an mir als Reisebundestrainer liegen, das Potenzial voll auszuschöpfen. 


Beginnen wir hier mit dem absoluten Veteranen schlechthin. Erst durch Annahme der Michelschen und dadurch auch gleichzeitig Heinrichschen Staatsbürgerschaft vor wenigen Jahren für die Nationalmannschaft qualifiziert, hat André schon alles gesehen, dass das Reisegeschäft so anbietet. Laut meinen Informationen war der Kaderälteste schon auf jedem Kontinent der Erde (abzüglich der Antarktis aktiv) und hat überall exzellente Leistung gezeigt. Es wurde zwar nie wissenschaftlich bestätigt, allerdings munkelt man, dass Herr Hofmann ein direkter Nachfahre von Chrisopher Kolumbus, Marco Polo, Sir Edmund Hillary und Roald Amundsen ist. Wenn er so weiter macht, dann wird auch er als großer Abenteurer in die Geschichtsbücher eingehen. Er ist der, der mit dem Wolf tanzt. Er ist der, der mit Bären kuschelt und der, der mit Haien baden geht. Die Frage, wie André es im dem Kader für diese Reise geschafft hat beantwortet sich also von ganz alleine. Der Mann weiß einfach wie man reist. Er soll in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren und hinten den Laden sauber halten. Ein waschechter Libero halt. Noch dazu kann André vom allerfeinsten dummes Zeug erzählen und trinkt auch ab und zu mal ein kleines Bier nach Feierabend. Er sollte sich also im Kader sehr gut zurechtfinden.


Stärken:

-Erfahrung

-trinkt Bier

-hat eine tolle Frau


Schwächen: 

-Fällt beim Nilpferdreiten öfter mal aus dem Sattel


Das zweite Huhn hat tatsächlich die Heinrische/Michelsche Staatsbürgerschaft noch nicht angenommen und kann somit nur Dank eines Probevisums für die Nationalmannschaft auflaufen. Auch Robert (Nicht zu verwechseln mit Robert) bringt schon einiges an Erfahrung mit. Längere Aufenthalte in Australien und Südostasien sowie erste Schritte auf dem afrikanischen Kontinent stehen auf seiner Vita. Mit ehemaligen britischen Kolonien kennt der Herr sich also bestens aus. Der wohl beste Physiotherapeut des Landes und angehende Osteopath wird auf der Reise für die physiotherapeutische Erstversorgung verantwortlich sein, falls André mal wieder vom Nilpferd fällt oder die Mädels von ihren Hühnern so genervt sind, dass der Rücken verspannt. Weiterhin ist auch bei Robert ein überdurchschnittlich ausgeprägtes Interesse an hopfenhaltiger Flüssignahrung zu erkennen, was positiv zu bewerten ist. Robert hat allerdings große Fußstapfen zu füllen. Sein Namensvetter hat stets Top Leistungen gezeigt. Die Erwartungen sind also hoch.


Stärken:

-gutes Aussehen

-längere Aufenthalte in ehemaligen britischen Hoheitsgebieten

-kann seinem Bundestrainer den Rücken massieren

-die Partnerin 


Schwächen:

-Fängt nach dem 12. Bier etwas an zu nuscheln


Als Bundestrainer der Truppe und gleichzeitig auch Autor und Editor dieses Reisetagebuchs fiel mir die Analyse meiner eigenen Stärken und Schwächen erwartungsgemäß am schwersten. 

Ich bin wochenlang in mich gegangen und habe mir die Frage gestellt, welchen Mehrwert ich dieser Reisegruppe auf der bevorstehenden Reise bringe. 

Die Antwort ist: Keinen. Zumindest keinen materiellen Mehrwert. Das südafrikanische Börsengeschehen ist zwar sehr interessant, aber dass MTN in den letzten zwölf Monaten um 101% gestiegen ist und mit einem KGV von ca. 15 trotzdem nicht wirklich überbewertet ist bringt uns in der freien Wildbahn nicht weiter. Auch wurde ich heute darüber informiert, dass meine buchhalterischen Fähigkeiten, die ich mir JAHRELANG im Studium angeeignet habe, nicht benötigt werden. Das übernimmt jetzt irgend so eine billige App, die das angeblich viel besser kann.. Blablabla. Und wenn dann mal ein Disagio fein säuberlich auf Soll und Haben verbucht werden soll und die App das nicht hinbekommt, dann ist das Geschrei wieder groß. 

Ich habe jedoch beschlossen, mich von solchen Dingen nicht beirren zu lassen und mit stattdessen auf meine eigentlichen Kernkompetenzen zu besinnen. Dummes Zeug quatschen. Wenn ich schon keinen materiellen Mehrwert beisteuern kann, dann mache ich das über meine Softskills wieder wett. Für Selbstzweifel ist im harten Reisegeschäft sowieso kein Platz. Außerdem habe ich mir vorgenommen, nicht nur als Bundestrainer sondern auch gleichzeitig als spiritueller Wegweiser zu fungieren. Etwaige Konflikte möchte ich durch eine von Grund auf harmonische Stimmung im Keim ersticken. Nur so können wir maximale Erfolge erzielen. Vereint. Als ein Team.


Stärken:

-genug unnützes Börsenfachwissen um bei einem Löwenangriff auf Safari das Tier totzuquatschen

-in Besitz eines Taschenmessers mit Korkenzieher


Schwächen:

/



Abschließend bleibt zu erwähnen, dass solche theoretischen Analysen oft Humbug sind nicht 1 zu 1 auf die Praxis übertragbar sind. Der Pokal hat eben seine ganz eigenen Gesetze. Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Team entwickelt, wie die Reisemitglieder miteinander harmonieren und ob meine 6 Schlüpfer und 2 T-Shirts für die 14 Tage reichen.. 

Wir halten euch auf dem laufenden! 


Prost und bis Später!

Montag, 14. Oktober 2019

Abschlussbericht

Nach längerer Evaluation kommt nun doch noch ein Abschlussbericht.Vor genau zwei Wochen plantschten die drei Reisegurus noch im pazifischen Ozean vor Los Angeles und führten somit neue und besonders gefährliche Raubtiere in das Ökosystem Ozean ein. Wenig überraschend hielten sich auch Haie und andere große Killer der Weltmeere fern. Eine Haisichtung hätte dem Urlaub aber auch die Krone aufgesetzt, die er eigentlich sowieso schon auf dem Kopf hatte. Hier die nackten Zahlen: 14 Nächte, Über 4300 Meilen, sieben Nationalparks, über 1000 Büffel (auf dem Teller und in freier Wildbahn),  mindestens 14 benutzte Schlüpfer pro Person (Versprochen!!) und zwei Schwimmeinheiten in der größten Badewanne der Erde. Highlights über Highlights und unglaublich schöne zwei Wochen. Ja, kaum zu glauben.. Unglaublich schön und Highlights in Kombination mit einer solchen Reisegruppe. Teilweise war es nicht einfach, das muss man schon zugeben. Drei Alphatiere auf engstem Raum. Wir können froh sein, dass eines der schwächeren und älteren Alphatiere nicht auf der Strecke geblieben ist. Der sehr ausgeprägte Diplomatiesinn eines Heinrichs hat jedoch schlimmeres verhindert.

Eine aufmerksame Leserin merkte an, dass ein Ranking der besuchten Orte doch eine gute Idee wäre. Die anderen zwei Gruppenmitglieder wollten allerdings keine Highlights miteinander vergleichen.. Ob das an der Tatsache liegt, dass das schlechte Gedächtnis ein Ranking der weiter zurück liegenden Reiseziele verhindert oder ob sie einfach keine Lust hatten, bleibt wohl ein Geheimnis. Gott sei Dank haben die Beiden nichts zu sagen und keine Ahnung.

Tatsächlich fällt es aber auch mir relativ schwer alle Highlights in eine Reihenfolge zu packen. Da wir ja nun waschechte USA Nationalpark Experten und fast alles abgeklappert haben, was auch nur irgendwie Rang und Namen hat. Worauf sich alle Reisegruppenmitglieder einigen konnten ist, dass Joshua Tree Nationalpark das kleinste, obgleich trotzdem positive Reiseziel unserer Trips war. Wüste und Joshua Tree sieht man auch außerhalb des Nationalparks zu genüge. Ansonsten sind alle Nationalparks sehr spektakulär und auf ihre Art besonders. Mein persönliches Highlight war allerdings Yellowstone Nationalpark. Durch seine weltweit einzigartigen Gegebenheiten und Vulkanaktivitäten sind sehr beeindruckend. Die knapp 1000 Kilometer, die der Nationalpark abseits vom nächsten wirklichen Highlight liegt sind es definitiv Wert. Nichtsdestotrotz gab es in zwei Urlauben kein Ziel, welches die Reise nicht wert wäre. Leider kann man in wenigen Wochen bei Weitem nicht Alles sehen und muss sich auch damit abfinden, dass nicht jede Ecke und jeder Pfad begutachtet werden kann.. Hallo Robert. Wenn es allerdings unsere Reisegruppe schafft, sich auf einige Nationalparks zu einigen, dann wird es für intelligente, junge Frauen wohl kein Problem sein. Einen Fehler sollte man allerdings nicht machen und keinesfalls unterschätzen. Teile niemals ein Hotelzimmer mit einem Schnarcher..

In diesem Sinne bis zum nächsten Mal,wo wir genau mit diesem Thema weiter machen werden und vielen Dank für die lieben Kommentare!
Prost!

Dienstag, 1. Oktober 2019

Capitol Reef, Las Vegas und Los Angeles

Ja, es ist einiges passiert in den letzten Tagen. Dies ist auch der Grund für die verlängerte Schreibpause. Auch der Reiseleiter will ab und zu ja Mal genießen. 
Ein was vorne weg: Die alten Herren können noch! Und wie. Ein Highlight jagte das Nächste, wir haben an zwei aufeinanderfolgenden Abenden die magische, in diesem Urlaub schier unüberwindbare „Zwei-Bier Schallmauer“ durchbrochen und es richtig krachen lassen. 

Nun aber von Anfang an. Am späten Freitag Nachmittag erreichten wir Capitol Reef Nationalpark. Auf dem Weg dorthin konnten wieder einige „geplatzte amerikanische Träume“ begutachtet werden und einige Stops zum „Nur Mal kurz gucken“ wurden auch eingelegt. Nach einigen Aussichtspunkten und kurzen Fußmärschen wurde das Capitol Reef Intermezzo bei Sonnenuntergang beendet und die Wanderschuhe gegen kühle hopfenhaltige Erfrischungsgetränke eingetauscht. Im lokalen Saloon gab es dann auch noch feste Nahrung und der Abend wurde entspannt und laut schnarchend beendet. 

Am Samstag stand eine weitere längere Tour auf dem Plan. Capitol Reef bis Las Vegas. Fünf Stunden.. fünf lange Stunden in denen die deutschen Tugenden durchschienen.. Vorsorge war das Wort des Tages. „Was machen wir mit dem ganzen Schotter und wie bekommen wir das Zeug aus dem Land“. Noch bevor wir überhaupt einen Fuß in die Stadt der Sünde gesetzt hatten war also schon klar, wie wir die Millionen um den Zoll und die deutschen Behörden schleusen würden. Da in der Selbstevaluation eines jeden Heinrichs jedoch Dinge wie „Zurückhaltend“, „Auf dem Boden geblieben“ und „Mit wenig zufrieden“ zu finden sind, ließen wir die Spieltische erstmal links liegen und konzentrierten uns primär auf das Sightseeing. Der Hoover Damm wurde begutachtet und führte zu staunenden Gesichtern. Die Ingenieurleistungen der vorherigen Generationen wurde gelobt und auch die eigenen Baukünste wurden mit den Worten „Ja, das hätte ich auch so gemacht“ wieder gefunden. Irgendwann war es allerdings zu viel.. Die Finger zuckten, die Leber juckte, die Augen hatten genug von rotem Gestein und Wüstenstaub. Spieltische sollten her. Der sich im Gehirn herumtreibende Sparfuchs sollte mit flüssigen Medikamenten betäubt werden.. Wie will man denn auch sonst tausende Euros verzocken, ohne dass sich dieses hinterlistige Gehirn irgendwann einschaltet und dummen Ideen einen Riegel vorschiebt. 
Zwischen Pizza und einigen Mollen wurde versucht diverse Spiele zu verstehen nur um am Ende feststellen zu müssen, dass Roulette doch das Einfachste ist. Bis 4.30 Morgens ging das Ganze. Man konnte garnicht genug bekommen.. Gott sei Dank hielten unsere sich unsere Barreserven in Grenzen und die Spielerei wurde auf das Minimum reduziert. Von den „Tausenden“, die wir „durch den Schornstein jagen wollten“ blieb das Meiste in den Taschen. Prioritäten und so. Den Sparfuchs kann man anscheinend doch nicht ganz so einfach ausstellen..

Übertreiben konnten wir ja sowieso nicht, denn am Sonntag stand der letzte größere Trip dieses Urlaubs an. Es ging von Vegas nach Los Angeles. In circa 6 Stunden Fahrt (inklusive der einen oder anderen Pause) ging es an den Ozean. Wurde auch Zeit, denn von Staub und Canyons hatten wir die Nase langsam aber sicher voll. Alle waren jedoch gewillt auch noch den letzten Tag des Urlaubs so interessant und Highlightreich wie möglich zu gestalten. Mit Sätzen wie „Ich ruhe mich dann auf Arbeit wieder aus“ wurde die Gruppe nach vorne gepeitscht. Tagesziel war ein Bad im Pazifik und der Besuch einer lokalen Brauerei. Ja, mehr braucht es nicht um einen Heinrich glücklich zu machen. Wir sind halt doch relativ einfache Wesen. Der gestrige Abreisetag wurde dann mit einem weiteren Trip an den Strand und in Richtung Highway 1 gefüllt. Zukünftige Häuser in Malibu wurden begutachtet und natürlich auch die müden Knochen nochmal in die Wellen gehalten. Was gibt es nämlich schöneres als 24 Stunden in einer Salzkruste zu sitzen. Aber egal.. was die Kleinen eben glücklich macht. 



Mittlerweile befinden sich alle Parteien nach 11 Stunden Flug wieder auf deutschem Boden und schlagen sich in Richtung Leipzig durch. Robert und Hagen von Frankfurt aus und meine Wenigkeit versucht es von München. Ob ich an der Wiesn vorbei komme ohne stecken zu bleiben ist noch fraglich, man kann nur hoffen..aber der Widerstand ist schwach..